Gute Nachbarschaft mit Russland

Aktuell zum achtzigsten Jahrestag des deutschen Überfalls
auf die Sowjetunion am 22. Juni 2021:

Vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941 überfielen deutsche Truppen wortbrüchig die Sowjetunion und brachten unendliches Leid über die Russen, Ukrainer, Weißrussen und die anderen Völker der Union, aber auch über andere europäische Völker und Staaten, z.B. über Polen und natürlich über Deutschland selbst. Durch diesen Überfall und durch die Abwehrkämpfe und die Zurückwerfung der deutschen Truppen verloren in der Sowjetunion 27 Millionen Menschen (Soldaten und Zivilisten) ihr Leben; die Verluste der USA im Zweiten Weltkrieg lagen bei 407 316, die Englands bei 332 825 Soldaten. Deutschland zahlte auch einen hohen Preis: 6 355 000 Soldaten und Zivilisten starben, fielen an der Front, kamen bei der Bombardierung deutscher Städte um oder erlagen Krankheiten und Erschöpfungszuständen.
Der 80. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion ist uns Anlass, den Sowjetsoldaten, den Soldaten der Anti-Hitlerkoalition, dem russischen Volk und den anderen überfallenen Völkern zu danken für ihren Beitrag zur Rettung der Weltzivilisation und zum Aufbau eines neuen Deutschland.
Da die offiziellen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland seit 15 Jahren durch wachsende und zunehmende Spannungen gekennzeichnet sind, schlossen sich vor 5 Jahren Leipziger Bürger zusammen, um von unten her den Gedanken der guten Nachbarschaft zu Russland in der Bevölkerung zu verankern und damit der Politik der Bundesregierung entgegenzuwirken. Der Inspirator unseres Zusammenschlusses, der kürzlich verstorbene Cornelius Weiss, brachte es auf den Punkt:
„Wir sind uns einig in der tiefen Enttäuschung über die geschichtsvergessene und ebenso unmoralische wie unvernünftige heutige deutsche Ostpolitik. Wir sind empört, dass unsere Regierung gegenüber Russland den allwissenden Oberlehrer spielt und, wenn ihr etwas nicht gefällt, mit übler Nachrede, Dämonisierung, Sanktionen oder gar Säbelrasseln reagiert…Haben die Deutschen vergessen, was ihre Großväter und Väter der Sowjetunion angetan haben? Wollen wir nicht mehr wahrhaben, dass die Russen trotz ihrer bösen historischen Erfahrungen mit Deutschland großmütig den Weg für dessen Wiedervereinigung frei gemacht haben? Und dass sie sich bis heute nichts mehr wünschen, als Frieden und gute Nachbarschaft zwischen unseren Ländern?“
Während die Bundesregierung einen Prozess der Aussöhnung und Verständigung mit Ländern wie Frankreich oder Israel in Gang gesetzt hat, fehlt nicht nur ein solches staatliches Handeln gegenüber Russland, sondern deutsche Politik sorgt dafür, dass Panzer mit dem Balkenkreuz – wie vor 80 Jahren – wieder an der russischen Grenze stehen.
Dagegen wenden wir uns, hier ertönt unser klares Nein !
Seit Jahren wird mit unserem wichtigsten Nachbarn, Russland, eine Politik der Missverständnisse, ja der Feindschaft betrieben. Der Kalte Krieg ist da, die Gefahr seiner Umwandlung in einen heißen war noch nie so groß wie heute. Die einseitigen, vergröbernden und auch völlig falschen Darstellungen der Meinungs- und Interessenunterschiede zwischen der BRD und Russland lassen den Eindruck zu, dass durch die Politik und Teile der Medien ein neues altes Feindbild installiert wird.
Wir gehören zu einer immer stärker werdenden Bevölkerungsgruppe in Deutschland, die nicht in der NATO und auch nicht in der derzeitig verfassten EU die Zukunft unseres Vaterlandes sieht. Ein wirklich starkes Europa konstituiert sich nach unserer Überzeugung, wenn Deutschland an der Seite Russlands ist und die EU zu engem freundschaftlichen Verbund mit Russland findet.
Für die Bürgerinitiative. Initiativgruppe: Ingo Klein / Manfred Hessel / Dr. Helga Lemme /Andrea Roscher-Muruchi / Johannes Schroth /Dr. Hartmut Kästner/

Die Bürgerinitiative ist politisch und institutionell völlig unabhängig. Sie wendet sich gegen alle Versuche, mit ihr rassistische, fremdenfeindliche, antisemitische, nationalistische und andere menschenverachtende Auffassungen in Verbindung zubringen. Gern nehmen wir Ihre Bereitschaft zur Mitwirkung unter dieser Adresse entgegen:
http://gutenachbarschaftmitrussland.blogsport.de

Anläßlich des achtzigsten Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am Dienstag 22. Juni 2021 haben wir eine kleine Kundgebung geplant:
Leipziger Richard-Wagner-Platz 15 bis 18 Uhr Gerne vorbeisehen …

Außerdem treffen sich Einige schon um 13 Uhr im Ostfriedhof direkt am Denkmal für die Gefallenen der Sowjet-Armee hinter der Feierhalle zum Gedenken.

Außerdem hier ein Link zum Film aus der Dokumentarserie von Burt Lancuster „Der unbekannte Krieg“: Die Schlacht bei Moskau (45 Minuten)
https://www.youtube.com/watch?v=o9xssmCqDfc
Sowie Teil 1: „JUNE 22, 1945″ https://www.youtube.com/watch?v=PXZt6_rnt_s

Petition: Kein kalter Krieg mit Russland – Hört auf damit!
Appell der Zivilgesellschaft anlässlich des 80. Jahrestages des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941


Nachruf

Cornelius Weiss

„Venceremos !“

Unser Freund und Mitbegründer der Bürgerinitiative „Gute Nachbarschaft mit Russland“ – Professor Dr. Cornelius Weiss – ist am 27.10.’20 überraschend verstorben. Wir haben noch seine Stimme im Ohr, als er auf einem der letzten Treffen von seinen Erfahrungen mit der SU, Russland, den Menschen dort sprach.
Wir trauern um einen aufrechten Sozialisten, einen überaus redlichen Menschen, viele um einen guten Freund. Bis zuletzt stellte er seine Erfahrungen, sein Wissen, seine Emotionen, seine Kräfte unserer, seiner Bürgerinitiative zur Verfügung. Unsere guten Wünsche und Beileidsbekundungen übermitteln wir auch von dieser Stelle an seine Frau und seine Angehörigen.
Es war das Jahr 2016, als die Linkspartei eine Podiumsdiskussion zum 75. Jahrestages des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion veranstaltete. Neben der Schriftstellerin Irina Liebmann und anderen, saß Cornelius Weiss und berichtete aus seinem Leben, das nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus so eng mit dem überfallenen Land verbunden sein sollte. Voller Empörung beklagte er danach das fast völlige Verschweigen dieses historischen Datums – des 75. Jahrestages – in den offiziellen Medien und die auf Konfrontation gegenüber Russland ausgerichtete Politik der Bundesregierung. Es war die Initialzündung zur Gründung unserer Bürgerinitiative. Seitdem versuchen wir mit unseren bescheidenen Mitteln den offiziellen Anstrengungen, eine Atmosphäre des Misstrauens, der Feindschaft, der Herabwürdigung Russlands zu schaffen, entgegenzutreten.
Immer wieder war Cornelius Weiss‘ mahnende Stimme vor kleinen und großen Foren zu hören. Wer etwas über die Gründe wissen wollte, die ihn zu seinen Einsichten brachten, musste nur hinhören oder auch seine Biografie: „Risse in der Zeit“ lesen, die aktuell wie eh und je ist. Manche wundern sich, dass die wegen des Vaters – eines bedeutenden Physikers – kurz nach dem Krieg in die SU verbrachte und dort unter sehr einfachen Verhältnissen lebende Familie nicht zum Kritiker, sondern zum verständnisvollen Freund Russlands wurde. Sie kam in ein vom Krieg verwüstetes Land, erfuhr Geschichten von unzähligen Kriegsverbrechen, erlebte noch unter den Kriegsfolgen darbende und doch freundliche und verständnisvolle Menschen. So erschienen die Einschränkungen in den ärmlichen Wohnstätten bei Moskau klein und sie konnten ihre Arbeit als winzige Möglichkeit von Wiedergutmachung sehen.
Sein weiterer Lebensweg, der zur Zeit öffentlich und offiziell gewürdigt wird, ist bekannt. Weniger, dass er in den letzten Jahren immer mehr zum Kritiker der politischen Verhältnisse wurde. Seiner SPD warf er als überzeugter Pazifist die oppurtunistische Haltung zu Kriegseinsätzen und die unklare, zuweilen feindliche Position zu Russland vor. Er erfuhr dadurch Ausgrenzung, nach seiner Meinung wurde von dort immer weniger gefragt. Ihn fochte das wenig an.
Cornelius Weiss, eigentlich unersetzbar, war durch seine Persönlichkeit, seine Biografie, seine Überzeugungen eine tragende Säule unserer Bürgerinitiative. Unbeirrt erhob er seine Stimme, wenn er es für nötig erachtete.
„Venceremos!“ war eine von ihm gern gewählte Aufmunterung für uns alle. „Venceremos!“ lieber Cornelius, rufen wir Dir nach. Wir werden Dich nicht vergessen und in Deinem Sinne weiterarbeiten.

Grabrede für Cornelius von Johannes am 06.12.2020


------------------------------------------------
Falls Sie noch ein Geschenk suchen: Wie wär’s mit der Anthologie der Leipziger Bürgerinitiative „Gute Nachbarschaft mit Russland“?
Buchcover_Geschichten_ueber_den_Zaun
ISBN 978-3-96145-779-3 12 EURO


-----------------------------------------------------------------------

Hinweis: Auch in anderen Regionen gibt es Initiativen für eine gute Nachbarschaft mit Russland: Aachener Bürgerinitiative „Gute Nachbarschaft mit Russland“. Und aus Aachen kommen auch gleich: „Alarmsignale zum Antikriegstag 01.09.2018″
-----------------------------------------------------------------------

Erklärung: Es reicht! Offener Brief vom 16.04.2018 an die Kanzlerin, an die Fraktionschefs von CDU/CSU und SPD im Bundestag und an die LVZ.
-----------------------------------------------------------------------

Die Bürgerinitiative "Gute Nachbarschaft mit Russland" gründet sich in einer Zeit, in der Krieg und Kriegsdrohungen als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele immer öfter angewendet werden.
Auch zwischen den Ländern der NATO und Russland ist die Gefahr gewachsen, und ein Krieg ist wieder denkbar geworden.

Nato-Manöver auf dem Lande, zu Wasser und auch in der Luft entlang der russischen Westgrenzen, schaffen eine Atmosphäre der Angst und Bedrohung auf beiden Seiten. Begründet werden diese Aktionen durch angebliche, bevorstehende Angriffe Russlands auf eines der östlichen Nato-Länder oder die Ukraine und die damit verbundene Bündnispflicht jedes einzelnen Mitgliedes.

Die Leitmedien schicken sich an, ein Bild von Russland als Feind und möglicher Aggressor ins Bewusstsein der Bevölkerung zu pflanzen. Dabei werden die Ereignisse um die Krim aus ihrem geschichtlichen Kontext herausgenommen, die Beseitigung eines potenziellen Kriegs- und Krisenherdes negiert und werden die legitimen Rechte der vorwiegend russischen Bevölkerung der Halbinsel missachtet.

Völlig ausgeblendet werden die wahren Kräfteverhältnisse zwischen der Nato und Russland, die einen Angriff Russlands absolut ausschließen. So umfassen die derzeitigen Rüstungsausgaben der Nato ca. das 13 – fache Russlands und werden noch steigen, wenn ihre Mitglieder die geforderten 2% des BIP erreicht haben werden.
Trotz all dieser Verschärfungen hat sich eine Mehrheit der Menschen in Deutschland ein Gefühl für die wahren Ursachen der Spannungen, die ganz anderen Interessenlagen und die Kräfteverhältnisse, bewahrt.

Die Bürgerinitiative versteht unter Gute Nachbarschaft:

  • sich nicht in die inneren Angelegenheiten des anderen einzumischen
  • zu helfen, wenn der Nachbar in Not und Gefahr gerät
  • sich jeder Verächtlichmachung, Dämonisierung, falscher Nachrede sowie anmaßender Sanktionierung zu enthalten
  • freundlich miteinander umzugehen

Sie fordert alle Seiten auf, alles zu unterlassen, was dem entgegensteht.

Im Sinne eines friedlichen und sicheren Europas hat sich unsere Bürgerinitiative zum Ziel gesetzt, dem Bild vom "schlimmen und gefährlichen Russen" ihre Erfahrungen und Erkenntnisse entgegenzustellen. In einem "Lesebuch" wollen wir von unseren ganz anderen Erlebnissen mit "den Russen" berichten, wollen Fakten und Beiträge publizieren, die helfen, Feindbilder zu verdrängen. Wir verweigern uns jeder einseitigen Propaganda, gleich aus welchen Kanälen sie geschickt wird. Wir wollen im Rahmen unserer Möglichkeiten Austausche zwischen Gleichgesinnten, besonders Jugendlichen, initiieren oder unterstützen. Wir sehen uns verbunden mit dem Aufruf der 60 Persönlichkeiten aus dem Jahr 2014 und der Petition:
>Wieder Krieg in Europa? Nicht in unserem Namen<

Unterstützen Sie unsere Bürgerinitiative.

Leipzig, d………….

Die Bürgerinitiative ist politisch und institutionell völlig unabhängig.
Sie wendet sich gegen alle eventuelle Versuche, mit ihr rassistische, fremdenfeindliche, antisemitische, nationalistische und ähnliche rechte Auffassungen und Haltungen in Verbindung zu bringen.

Gern nehmen wir Ihre Bereitschaft zur Mitwirkung auch unter Kontakt entgegen. Danke.

Individuelle Beweggründe:

Dr. Helga Lemme:
Noch im letzen Kriegsjahr geboren, bin ich in der Nachkriegszeit aufgewachsen und Leid und Mangel aus dieser Zeit sind mir noch in tiefer Erinnerung.
Nun verbindet mich seit meinem 15. Lebensjahr bis heute eine tiefe Freundschaft zu russischen Freunden und Familien. Wir sind uns einig in unserem Willen, dass nie wieder Hass und Krieg diese Freundschaft zerstören und neues Leid über unsere Völker bringen darf.
Dafür treten wir in unseren Ländern ein und deshalb bin ich Mitglied der BI.
Dr. Helga Lemme
Kinderärztin

Johannes Schroth:
Durch meine Arbeit als Architekt lernte ich bei einem gemeinsamen Projekt viele russische Menschen, als auch das Land in Teilen kennen. Es ist mir unerträglich, dass die Politik, unterstützt durch viele Medien, derzeit Maßnahmen beschließt und eine Stimmung gegen das Land entwickelt, die Vertrauen untergraben und den Frieden gefährden. Mein Beitrag zum Abbau von Misstrauen und für gute Nachbarschaft soll das Einbringen meiner Erfahrungen mit >den Russen< sein.

Johannes Schroth / Dipl.-Ing. Architekt BDA

-------------------------------------------

Wer statt Zeit- oder Arbeitseinsatz trotzdem helfen will:

Spendenkonto: IBAN DE50 8605 5592 1632 4282 17

Allerdings sind wir kein Verein und deshalb
sind Spendengelder nicht von der Steuer absetzbar.

-----------------------------------------------